2007 02. Sep

Es ist mal wieder soweit: die Darstellung Mohammeds (oder wie immer man den schreibt) mit Hundekörper in einer schwedischen Zeitung löst -mal wieder- Massenproteste mit den üblichen Hassbekundungen aus: Flaggen-, Puppen und sonstige Verbrennungen, Demos, Rufchöre, das volle islamistische Programm eben.

Die Bilderstrecke zum Artikel war dieses Mal aber besonders sehenswert. Während man sonst immer hasserfüllte Fratzen mit Bärten und weißen Kitteln sieht, diesmal ein etwas anders Bild. Vordergründig brennt eine Puppe, aber sehen wir uns mal die Gesichter dahinter in einer vergrößerten Darstellung an:

Also, für mich sehen die nicht besonders evil aus. Eher wie eine Horde recht junger, Fun-orientierter Menschen, denen gar nicht so recht klar ist, wie ihr Tun bei uns ankommt. Wäre mal interessant zu erfahren, ob diese Formen des Diskurses (Puppen verbrennen etc.) nicht vielleicht ganz normal sind da unten. Also nicht nach dem Motto: „Hey, wenn wir könnten, dann kämen wir zu euch und würden euch live verbrennen“ sondern eher in die Richtung „wir finden es echt scheisse, dass ihr unseren religiösen Obermacker so gezeichnet habt und deswegen verbrennen wir ’ne Schwedenpuppe, gehen nach Hause und tätscheln unserer kleinen Tochter das Köpfchen und alles ist gegessen“.

Könnte es dann nicht auch sein, dass diejenigen Muslime, die hier in Europa Attentate planen und begehen, dies aus einem falsch verstandenen Verständnis solcher Vorgänge heraus tun? Ich meine, die sind auch meist nicht dort, sondern hier aufgewachsen und interpretieren sowas vielleicht genauso falsch wie wir. Aus einem Gefühl der Solidarität mit ihren Glaubensbrüdern heraus, wobei die Prämissen eben falsch aufgefasst werden.

Dann wären das Problem in der Tat einige A****geigen, die diesen Umstand instrumentalisieren für ihre politischen Ziele.

2007 15. Aug

Na, wo steht diese Überschrift? Na guuuuut, ich verstecke in den Antwortmöglichkeiten eine kleine Hilfestellung: BILD, Gala, BUNTE, BILD, Frau im Rückspiegel oder SPIEGEL Online.

Wo soll das noch hinführen?

2007 18. Jun

Wie man das Image eines renommierten Magazins online und sehr schnell auf das Niveau anderer Publikationen bringt:


Quelle: SPIEGEL Online

Nur noch Experten sind in der Lage, die feinen, aber vorhandenen Unterschiede zwischen dieser Headline und einem echten BILD-Titel zu erkennen – beim aufmerksamkeitsökonomisch optmierten Bild sind sie dagegen nicht mehr festzustellen.

Zum direkten Vergleich: FAZ.NET, Tagesschau.de, Netzzeitung.

2006 04. Sep

Letzte Woche im Hotelzimmer, immer so gegen 19.00 Uhr. Draussen Regen in strömen, mit Laufen ist also nix. Fernsehen? Hm, naja, man kann ja mal gucken. Dann -mal wieder- die Ernüchterung: auf fast allen Sendern Bullshit, live und in Farbe.

Galileo zeigt ein „Galileo-Experiment“, bei dem als unzerstörbar beworbene Gegenstände auf den Wahrheitsgehalt dieser Aussage geprüft werden sollen. Ein Tresor, ein Samsonite-Koffer, ein RIMOWA-Koffer, eine MagLite, eine G-Shock Uhr. Die Sendung will auf biegen und brechen den Eindruck erwecken, dass ein Hochhaus nur für dieses Experiment gesprengt wird. (Dieselbe Sprengung dann ein paar tage später bei „Abenteuer Leben“, natürlich ganz ohne den Galileo-Schwachsinn) Ein „Experte“ versteigt sich zu der Aussage, dass jeder Gegenstand „einer Belastung von 10.000 Tonnen“ ausgesetzt sei. Das Gesamtvolumen des Gebäudes beläuft sich auf knapp das Dreifache, die eigens erstellte Computersimulation zeigt schon, dass die Belastung aufgrund des Zusammenfalls nur einen kleinen Bruchteil betragen kann, von physikalischen Details mal ganz abgesehen. Genug von diesem unqualifizierten Schwachsinn, da reibt man sich ja selbst als nicht-Ingenieur die Ohren. ZAPP.

Anderer Privatsender. Dicke, ungebildete Menschen werden in einer Art verhaltensbiologischem Feldversuch als Laborratten vorgeführt.

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2006 21. Aug

Sie bezeichnen sich als Blogger. Anders als die Millionen von namenlosen Freizeitautoren, deren ungestillter Mitteilungsdrang sich auf tagebuchartige Beobachtungen beschränkt, sind sie geschickte Agitprop-Künstler und Nachrichtendienstler, die im Massenmedium Internet eine enorme Breitenwirkung entfalten.
Quelle: FAZ

Aha. Blogger sind also nicht-namenlose Freizeitautoren, sondern geschickte Nachrichtendienstler, die eine enorme Bandbreitenwirkung entfalten?! Soso. Warum produzieren Massenmedien nur Stuss, wenn es um Blogs und „Web 2.0“ geht? Ganz einfach, weil sie sich nicht auskennen, de nihilo nihil. Sie können sich gerade mal durch Google klicken und n verschiedene Meinungen zu einer (ihrer eigenen) vermengen. Wenn sie wüssten, was Blogs ausmacht, dann käme da nicht so ein Quark raus.

1) Blogger SIND genau diese namenlosen Schreiberlinge.
Klar, dass die Journallie sich bedroht fühlt und sie ständig als selbstdarstellungsgeile Niemande darstellt. Liebe Journalisten, Blogger sind die Masse, eine Art Kollektiv, falls euch das was sagt. Genau daraus entsteht ihre Unberechenbarkeit ebenso wie ihre „Macht“. Bei Jens Scholz ist dieser kollektive Charakter schön auf den Punkt gebracht mit einem Button auf der rechten Seite. (LINK)

2) Blogger sind deswegen unberechenbar, weil eben NICHT prognostiziert werden kann, welches Thema sie als nächstes angehen und in die Breite tragen.
Ebenso wenig kann gesagt werden, auf welche neuen Quellen Blogger zugreifen können und werden. Generell besteht die Blogosphäre aus einem Grundrauschen und Peaks. Das Grundrauschen sind die zahllosen „tagebuchartige Beobachtungen“, die Peaks sind Themen von besonderem Interesse, die von anderen Blogs aufgegriffen, teils wiederholt, aber auch ergänzt werden und damit die „enorme Bandbreitenwirkung“ entfalten. Je mehr Blogs ein bestimmtes Thema aufgreifen und weiterverarbeiten, desto eher wird daraus der mediale Tsunami, vor dem ihr euch so fürchtet.

Das Grundrauschen ist also notwendig, um eine Quelle zu haben, aus der in einem darwinistischen Prozess bestimmte Themen selektiert und durch Vervielfältigung und Ergänzung Peaks erzeugt werden.

3) Der komparative Konkurrenzvorteil der Blogger ist der, dass sie sich untereinander tendenziell stärker vertrauen als euch, liebe Massenmedien.
Großer Erfolg einzelner Blogger mündet oft in Vertrauensverlust der Community, da diese exponierten Blogger mittlerweile erfolgreich von Unternehmen und den Massenmedien -also euch- abgeworben werden. Damit verlieren sie einen Großteil ihrer Reputation, die „Street Credibility“ sozusagen.

Der größte Witz an der Sache: ihr Massenmedien bastelt fleissig mit an den Tsunamis, weil euch die Ideen ausgehen und das „Grundrauschen“ der Blogs eine tolle Quelle bietet.
Ihr sollt ja Leser generieren durch hippe, neue, einzigartige Themen. Ihr wartet also auf Peaks, die sich aus dem grundrauschen abzuzeichnen beginnen und dann…ZAPP…landen die ersten Artikel bei euch in den Massenmedien. Wahrscheinlich feiert ihr euch für eure immense Kreativität, aber letztlich schreibt ihr nur ab. Google deutet es mit dem Trefferrang schon an. Ihr mutiert langsam zu Technorati-Lutschern. Traurig, aber wahr.

Was sagt uns das über Blogger im Allgemeinen und den Helden Bob Adams?
Richtig, der nächste Bob Adams kommt bestimmt, wird aber anders heißen. Der Typ wird zurückkehren ins Grundrauschen und nie wiederkommen. Er weiß das, ihr nicht. Vielleicht seid ihr so dämlich, den Mann einzustellen, um eure traurigen Blog-Mitläuferversuche zu pushen. Es wird nicht klappen, er ist dann einer von euch und wird nicht mehr beachtet werden. Man erkennt: Peaks sind gefährlich für ihre Protagonisten. Wer clever ist, kehrt ins Grundrauschen zurück, bleibt unabhängig und wird es u.U. trotzdem schwer haben, das glaubhaft zu machen.

Übrigens: wenn 5.000 Views bei YouTube für euch eine „enorme Bandbreitenwirkung“ darstellen, dann steht ihr in eurem verzweifelten Kampf um Beachtung anscheinend noch schlechter da, als angenommen. Schaut euch mal das hier an, sogar Rentner bekommen mittlerweile mehr Aufmerksamkeit als ihr.

Schon deprimierend, festzustellen, dass Blogger immer häufiger die besseren Journalisten UND Trendsetter sind, oder?!

2006 18. Jul

schön wär’s. Man beachte das Diagramm am Ende des Artikels, wobei das ja nur eine Hochrechnung (von wem auch immer) ist.

2006 08. Mai

Schön zu wissen. Vor allem wichtig ohne Ende! Wie SPIEGEL Online berichtet, ist die letzte Überlebende mit persönlichen Erinnerungen an den Untergang der Titanic in den USA verstorben. Die Verstorbene hatte auch etwas hinterlassen, das man mit etwas Feingefühl als „letzten Willen“ hätte interpretieren können – und sie hat es konsistent ein ganzes Leben so gehandhabt.

Zeit ihres Lebens mied Asplund die Öffentlichkeit. Zu dem, was sie in der Schreckensnacht sah, äußerte sie sich nicht. Auch das Beerdigungsinstitut hatte sie vor ihrem Tod angewiesen, das Ereignis nicht zu erwähnen, so CNN.

Anscheinend kein Grund für Journalisten, es nicht in die ganze Welt hinauszuposaunen. Mit Foto und allem Pipapo. Fehlt eigentlich nur noch eines von diesen Mini-Videos mit einem Trailer zum Film. Ätzend.

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