2009 12. Sep

Wir wurden also Teil einer Marketing-Kampagne. Naaaaaaaaaa toll. Ich bin diesem Fall bestechlich und werde das tun, was vom Absender intendiert war: über das Produkt schreiben :)

Ich habe heute ein Päckchen bekommen, in dem eine handgeschriebene Karte sowie eine Cellophan-Tüte voller Süßigkeiten zu finden waren.

Ich habe nur kurz überlegt: Street Credibility, Blogger-Marketingnutten und so weiter. Nicht so wild. Das hier ist MEIN Blog. Ich schreibe über Produkte und Dienstleistungen die mir nicht gefallen, also schreibe ich auch über Dinge, die ich gut finde. Habe ich auch vorher schon gemacht. Ich würde quasi unglaubwürdig, wenn ich NICHT darüber schreiben würde. Daher einige kurze Anmerkungen zur fachlichen Seite der Aktion:

  • Die Zielgruppenauswahl war geschickt: kleine, unauffällige Blogs als Experiment, falls es schief geht. Aber nicht zu klein / zu geringe Reichweite.
  • Inhaltlich vergleichsweise “neutrale” Blogs, die wenn ich richtig geguckt habe alle schonmal auf die eine oder andere Weise über Produkte geschrieben haben. Daher unverdächtige Blogger.
  • Geschicktes Produkt: unpolitisch, geringwertige FMCGs (fast moving consumer goods btw.) – ebenfalls unpolitisch und passt zur Auswahl der Blogs, der geringe Wert macht die Aktion unkritisch bzgl. “Bestechbarkeit” etc.
  • Prägung eines Google-unique-Slogans, den man später entsprechend nutzen kann. Gleichzeitiges Auffüllen der Google-Results mit vermutlich positivem Feedback.
  • Sehr gut trackbare Resonanz und gut messbare Multiplikatoreffekte. Besser gehts nicht.

Wer sich jetzt aufregt, dass ich genau das tue, was von mir “erwartet” wird: wenn die Welt nur solche Aktionen kennen würde, dann wäre fast alles in Butter, auch im Internet. Just IMHO.

Also: die Tüte von Naschplatz.de ist bereits geöffnet, es sind leckere Sachen drin, meiner Meinung nach recht “frisch” (so frisch Gummikram eben sein kann), so ähnlich, wie wenn man sich im Kino oder im Karstadt Kaufhof eine Zusammenstellung mit diesen Schäufelchen macht.

Ich weiß nicht, inwieweit es erfolgreich sein wird, den POS bei so einem Produkt ins Internet zu verlagern, immerhin hat der Kram eine starke situative (Naschhungerfressattacke), haptische und olfaktorische Komponente, die Kommt via Webseite zwangsläufig nicht soooo gut rüber… Aber wird sich zeigen.

Ich fand’s witzig, gut gemacht, sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail vorbereitet. Daher ein freundliches “Dankeschön” an Naschplatz und viel Erfolg weiterhin.

Jetzt beantwortet bitte MIR eine Frage, meinetwegen auch per Mail oder über mein Kontaktformular, aber am liebsten in den Kommentaren: nach welchen Kriterien habt ihr die Blogs ausgewählt, die ihr angeschrieben habt?

PS: Versucht es mal mit SEO, ihr solltet in Google schon auf Platz 1 kommen mit EURER Seite.

PPS:
Lieber Naschplatz, ihr habt meine Datenschutzerklärung nicht gelesen, die auf derselben Seite platziert ist, wie die Anbieterkennzeichnung, aus dem Ihr meine Adresse geholt habt. Dort heißt es:

Datenschutz
Gemäß § 28 BDSG widerspreche ich jeder kommerziellen Verwendung und Weitergabe meiner Daten oder von auf dieser Webseite veröffentlichten Daten Dritter.

Und jetzt? :D Das könnte auch anders ausgehen, sowas. Wenn ich nämlich ein Autonomie-Fanatiker wäre. Aber das habt ihr sicher alles einkalkuliert. Ich habe euch zudem den Gefallen getan, diesen Absatz ganz nach unten und nicht ganz nach oben zu setzen – wo er vorher war.
/klugscheiss-modus

Was davor geschah…

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2009 31. Mrz

Ich halte es für ein gewieftes Marketing-Lehrstück. Der Preis wird bestimmt von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach Lexika in gedruckter Form geht momentan gegen Null, Wikipedia sei Dank. Klar, auch ich nutze die Wikipedia für die “tägliche Recherche”, ist einfach zu bequem, zu aktuell, zu gut, um es sein zu lassen.

Der Brockhaus hat darauf hin schon vor einem Jahr Monaten die Segel gestrichen und mitgeteilt, dass es keine Print-Ausgabe mehr geben werde, dafür solle die Reihe kostenfrei im Internet zur Verfügung stehen. Ich habe schon vor einem Jahr meine Einschätzung abgegeben, dass der Brockhaus damit tot ist, weil er online einfach nicht bestehen kann, schon gar nicht refinanziert durch Werbeerlöse.

Jetzt hat zum Ende März der Cornelsen-Verlag die wahrscheinlich wertlose Brockhaus-Hülle übernommen. Ich denke mal, einen positiven Cash Flow weist das Unternehmen nicht mehr auf und wenn man den dann noch diskontiert…do the math. Wir halten also fest: Cornelsen dürfte nicht mehr viel für die Marke, das letzte Relikt des Verlages, gezahlt haben.

Ein weiterer, nicht unbedeutender Marktteilnehmer, hat heute ebenfalls aufgegeben: Microsofts Encarta wird nach 16 Jahren eingestellt.

Zusammenfassend: die Online-Konkurrenz schrumpft und bis auf die Enzyklpaedia Britannica und Meyer’s Lexikon gibt es keine gedruckten Lexika mehr. Nun ist es aber so, dass Menschen Lexika -und gerade Lexika- nicht nur aus Bildungsgründen kaufen, sondern auch und vorrangig aufgrund ihrer repräsentativen Funktion im Bücherregal. Ich kenne Menschen, die sind beruflich weit gekommen – und lesen morgens im Büro die BILD (ja, das sind teilweise die Leute, die uns den ganzen Mist eingebrockt haben oder zumindest nicht ganz unbeteiligt daran sind). Traurig aber wahr. Nur zuhause, da steht die 22. Ausgabe Brockhaus, Goldschnitt, und darauf angesprochen murmeln sie etwas wie “naja, uhm, nun, man braucht ja mal was zum Nachschlagen, so für zwischendurch, etwas, auf das Verlass ist, Sie wissen schon…”.

Dasselbe gilt für die gebundene Ausgabe von Nietzsches Biographie, die Jubiläums-Edition von “Krieg und Frieden” in Leder und die Nikomachische Ethik in der altgriechisch-deutschen Kombiversion. Alles nie gelesen, aber macht sich irre gut im Wohnzimmer, für die Gäste.

Wenn ich Cornelsen wäre (und ich glaube, da hat jemand Cleveres ganz bewusst die Strippen gezogen), würde ich mich einfach 15-20 Jahre zurücklehnen und in aller Ruhe die 23. Auflage des Brockhaus vorbereiten. Das wird der Zeitpunkt sein, wo es wenigstens einen der Beiden Erzrivalen -Meyers und EB- nicht mehr geben wird, aber eine rege Nachfrage nach einer einigermaßen aktuellen, gedruckten Version “des Brockhaus” für das Wohnzimmer. Mit Goldschnitt. Für diese Kundengruppe ist es die 5.000, 6.000 EUR locker wert. Als Produktmanager würde ich auch noch eine limitierte Sonderedition in Büttenpapier und Ledereinband bereithalten, zum Preis eines Golf VIII oder etwas darüber. Luxus geht immer.

Mit den ersten 1.000 verkauften Einheiten der Normalversion haben sie dann den Kaufpreis sowie die Kapitalbindungskosten für 15 Jahre locker wieder drin. Das ist mal lässiges Beteiligungsmanagement.

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2009 04. Mrz

Ich bin ja notorischer Anmeckerer minderwertiger Serviceleistungen oder Produktqualität. Das Schöne daran: auch jenseits der bekannten Portale wie Ciao, DooYoo, Qype und wie sie alle heißen entfaltet man mit einer PageRank3-Seite einige Reichweite für bestimmte Suchbegriffe :D *diabolischlach*

Grund genug, um auch mal die positiven Besipiele anzuführen. Ich war eben seit langem mal wieder auf audible.de, einem Online-Shop für Hörbücher. Da gibt es ein “FlexiAbo”, mit dem man für 9,95 EUR im Monat jeweils ein beliebiges Hörbuch pro Monat kaufen kann. Solange man Flexi-Abo-Kunde ist, verfallen diese Guthaben auch nicht. Da die meisten Hörbücher über 20 EUR kosten, ist das für Viel-Hörer ein guter Deal.

Aber leider nicht für mich, weil ich soviel Zeit gar nicht habe, wie ich dafür haben müsste, den ganzen Kram auch zu hören. Die Dissertation lässt grüßen. Also wollte ich das Abo kündigen. Und war schon leicht angesäuert, weil man die Option dafür nicht auf Anhieb findet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt :D

Naja, die angenehme Überraschung war: kostenfreie 0800-Nummer, die bis 19 Uhr besetzt ist. Nette Männerstimme nach zwei Mal klingeln. Ich schildere mein Anliegen, 15 Sekunden, “alles klar, kein Problem, ich kündige Ihnen das so, dass sie das Guthaben noch zwei Wochen lang einlösen können, aber abgebucht wird dann nicht mehr”. Ebenfalls 15 Sekunden. “Kann ich Ihnen sonst noch weiterhelfen?” “Nein, danke.”

Verwirrung. So guter Service ist ECHT SELTEN!

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2008 18. Okt

Aus der Beschreibung auf der Vertriebsplattform Steam für das angekündigte Spiel “Left 4 Dead“.

L4D spielt in der Zeit kurz nach einer globalen Zombie-Apokalypse, in der vier Überlebende eine epische Schlacht gegen Horden von Zombies und fürchterliche, ‘speziell-infizierte’ Mutanten kämpfen.

Na wenn das mal keine Ansage ist :D Offensichtlich muss sich im Marketing noch einiges tun. Fähige Übersetzer engagieren zum Beispiel. Aber immerhin haben sich die Umsätze in den vergangenen Jahren ja prächtig entwickelt.

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2008 11. Sep

oder: ein Nachruf auf die Dresdner Bank.

Ich begann meine Berufsausbildung bei der Dresdner Bank im September 1998, fast auf den Tag vor 10 Jahren. Das war die Gezeitenwende, zu der man die Möglichkeit hatte, zwei verschiedene Bankenwelten noch einmal live zu erleben und schließlich eine davon untergehen zu sehen.

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