Man soll ja immer das Positive sehen:
1) Definition von Armut in Deutschland bzw. der OECD: Die Armutsgrenze erreicht man, wenn man weniger als die Hälfte des Medianeinkommens erzielt (netto, also nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben; Median: 50% der Einkommen liegen höher, 50% liegen niedriger).
2) Das Median-Netto-Einkommen (monatlich) betrug bspw. 2003 in Deutschland 1667 EUR. [vgl. Stat. Bundesamt, S. 1185].
Arm ist man in Deutschland also, wenn man weniger als ca. 840 EUR im Monat netto zur Verfügung hat.
3) Durch die Krise (TM) dürfte dieses Medianeinkommen deutlich sinken, weil zum Einen mehr Menschen arbeitslos werden und danach erst Arbeitslosengeld und später ggf. Hartz IV beziehen, zum Anderen weil die Löhne bei Millionen von Arbeitnehmern verringert wurden, bspw. durch Kurzarbeit, Lohnverzicht etc.
4) Die Armutsschwelle sinkt also um einen gewissen Wert, zusammen mit dem Medianeinkommen. Ich gehe mal davon aus, dass die Leute, die 840 EUR netto im Monat bekommen, aber auch weiterhin nicht wesentlich weniger haben werden, denn grob gerechnet entspricht das einem Bruttolohn von ca. 7 EUR die Stunde bei 40 Stunden in der Woche. Weniger dürfte also kaum gehen, zumal man dann bald in den Bereich “Hartz IV + Sachleistungen” kommt. Fällt man trotzdem darunter, wird man daher zum “Aufstocker” – der Staat schießt also Geld zu, um die Mindestversorgung sicherzustellen. Viele Haushalte mit einem Kind haben ohnehin mehr als 1600 EUR netto im Monat (entspräche damit 2 Erwachsenen a 800 EUR p.P.) allein durch den Bezug von Sozialleistungen (und da sind die Sachleistungen noch nicht mit drin, also Wohnung, Strom, Wasser etc., die der Normalverdiener selbst zahlen muss).
Ergo: Die Armutsgrenze müsste betraglich sinken, die Anzahl derer, die noch unter der gesunkenen Grenze liegt, dürfte aber bei weitem nicht so stark zunehmen, dass dieser Effekt ausgegelichen würde. Die Armut nähme also ab. Jucheissasa. Jetzt suche ich nur noch eine Quelle dafür, mal schauen was SOEP und Konsorten so hergeben…
PS: Da sieht man mal wieder, was man alles mit Statistik machen kann. Weniger arm wird durch den ganzen Spökes ja kein Mensch, ich meine Hand aufs Herz: was soll man bitte mit 840 EUR im Monat machen, ausser sich nach der Arbeit irgendwo in eine dunkle Ecke legen?!



