2006 31. Aug

Seinerzeit erhielt ich meine (militärische) Grundausbildung in Schwalmstadt, das ist die hessische Ostfront sozusagen. Ein einziger Dummf***, das ganze Programm. Der generelle militärische Auftrag, der uns immer vorgebetet wurde, seit Jahrzehnten nicht mehr akut, die materielle Ausstattung erbärmlich, die Qualifikation der Ausbilder (bei uns immerhin Fahnenjunker, also angehende Offiziere) mau, die Intelligenz aller anderen Ausbildungsbeteiligten knapp über der einer sprießenden Tulpenzwiebel. Alles wofür die geeignet waren: leichte Erdarbeiten unter Aufsicht. Aber Macht fanden sie alle geil, insbesondere die ungeheuerlich erotische Anziehungskraft der ultimativen Befehlsgewalt über spätpubertierende 19-jährige mit Abitur in einer simulierten Gefechtssituation.

In einer Auseinandersetzung um einen von mir im infernalischen Kampfgetümmel verlorenen “hochradioaktiven Kompass, der für Kinder tödlich sein kann” (O-Ton des StUffz) und 450 DM kosten sollte, vergriff ich mich etwas im Ton antowortete ich auf das dauernde Angeschreie im Stillgestanden vielleicht etwas zu zynisch, was mich 4 Wochenenden Wache kostete.

“Wehrkraftzersetzung” wollte mir dieser lächerliche Zwerg daraus drehen, was aber unglücklicherweise schon nach der mündlichen Anhörung vor dem Kompaniechef scheiterte. Ich revanchierte mich mit einer Diszi via Wehrdienstbeauftragtem, die der StUffz dafür bekam, mich nachts -allein mit ihm, bei Regen ohne Hilfsmittel, Licht und Jacke- im Wald nach diesem hochradioaktiven Kompass suchen zu lassen.

Jedenfalls freut es mich aus völlig subjektiv-emotionalen Gründen zu sehen, dass der Standort jetzt dichtgemacht wird.

In meinem nächsten Leben werde ich Zivi.

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