2010 06. Apr

Steuererklärung 2009

Ich bin ja nun echt kein Verfechter der FDP-Programmatik, jedenfalls nicht in dieser Form der Umsetzung. Aber eines würde mir echt gut gefallen: die versprochene Reform des Steuerwesens. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich meine keine Steuersenkung, sondern eine Vereinfachung der Steuererhebung und -berechnung.

Warum? Mal als Randnotiz: ich habe mich 2,5 Jahre in einer Bankausbildung rumgedrückt, dann 5 Jahre in einem BWL-Studium an zwei verschiedenen Unis, seit 4 Jahren arbeite ich zwar nicht im Steuerbereich, habe aber eine Menge mit Finanzen zu tun, meine Steuererklärungen mache ich seit 1999 selbst, seit 2004 unter Zuhilfenahme eines dezidierten Steuerprogramms.

Meine steuerliche Veranlagung ist ein einfachst-Standardfall: ledig, keine Kinder, nur eine Einkunftsart, einziger „Sonderposten“ sind ein paar Kleckerbeträge für mein Promotionsstudium.

Summa summarum sieht der Arbeitsaufwand dafür so aus:

  • 0,3h: Installation/Update des Steuerprogramms
  • 2,0h: automatische Übernahme (!) meiner persönlichen Daten, Steuernummer etc. aus dem Vorjahr und Eingabe meiner aktuellen Daten. Trotz Programm ist es eine recht langwierige Klickerei, bis man dann mal alles gefunden und ausgefüllt hat…
  • 0,3h: Elektronische Übermittlung und ausdrucken, eintüten, adressieren, frankieren der unterschriebenen Version.
  • 0,0h: Weg zum Briefkasten, weil auf dem Weg zur Arbeit.

Dann kommen die doch echt auf die Idee, für „eine Handvoll EUR“ Aufwand des berufsbegleitenden Studiums und eine Spende über sagenhafte 80 EUR einzelne Belege anzufordern:

  • 0,3h: Belege aus einem vorsortierten 2009er-Beleghaufen raussuchen (also ohne den Aufwand der Vorsortierung)
  • 0,5h: nach einem nicht auffindbaren Beleg suchen, der rund 2% des angegebenen Gesamtaufwandes ausmacht.
  • 0,25h: Kopieren der Belege.
  • 0,3h: Dreizeiler an den Sachbearbeiter, ausdrucken, eintüten, adressieren, frankieren.
  • 0,0h: Gang zum Briefkasten.

Macht in Summe eine Nettoarbeitszeit von 4 Stunden für eine Steuererklärung in einem echt einfach gelagerten Fall mit einem mehr oder weniger optimierten Ablauf durch eine dem Fach nahestehende Person.

Auf alle Erwerbspersonen hochgerechnet bedeutet das pro Jahr einen Aufwand von rund 150 Mio. Arbeitsstunden. Das sind 18,75 Mio. 8h-Personen-Arbeitstage oder 85.227 Personen-Arbeitsjahre. Oder wenn man diese Zeit wertschöpfend verbringen würde, Pi mal Daumen 3,4 Mrd. USD mehr BIP pro Jahr (bei 40.000 USD BIP pro Kopf und 220 Arbeitstagen). Naja, ist ja andererseits nur die Rettung einer Mini-Mini-Bank 😀

Und jetzt käme eigentlich noch die Wertschöpfung der Leute dazu, die diesen ganzen Schmonz Fulltime abarbeiten, die lieben Finanzbeamten also. Was man da auf der einen Seite sparen könnte und auf der anderen mehr produzieren… Baaaaaargh.

[Zeit für diesen Post: 30 min :D]

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