2011 20. Okt

Review: Toshiba Satellite R830-11C im Praxistest

Mal wieder was aus der Kategorie Hardware. Habe mir nach längerer Zeit mal wieder ein Notebook zugelegt und war lange unschlüssig, welcher Hersteller, welches Modell, welche Features für mich wirklich relevant sind. Kurzum: nach meinem bisherigen Arbeitstier (Dell Vostro 1310) und einem mehr oder weniger enttäuschenden Ausflug zu Lenovo (Lenovo T420s) bin ich beim Toshiba Satellite R830-11C gelandet.

Ich werde mich im Folgenden nicht mit XX%-Beurteilungen im Stil einiger Review-Seiten abgeben, zum Einen weil ich glaube, dass 1%-Schritte totaler Schwachsinn sind und zumAnderen, weil ich hier meine subjektiven Eindrücke beschreibe und keine Messgeräte verwende.

Äußerlichkeiten & Verarbeitung

Das R830 ist sehr leicht, das fällt schon auf, wenn man das Paket in der Hand hat. Den Angaben entsprechend bringt es bei mir inkl. Akku nur 1,49 Kg auf die Waage. Die Abmessungen sind sehr kompakt, auch das ist ne tolle Sache, wenn man mobil sein will.

Das nächste, das ins Auge fällt, ist ein sehr gefälliges (schlichtes) Äußeres, das auf den ersten und auch zweiten Blick gut bis sehr gut verarbeitet ist. In Summe würde ich sagen, dass es überdurchschnittlich „schick“ aussieht – wenn man nicht auf Alienware-Blinki-Blinki steht. Die „unterschiedlichen Spaltmaße“, die in anderen Reviews erwähnt wurden, kann ich an meinem Gerät nicht feststellen. Im Gegenteil: im Vergleich zum Lenovo T420 ist insbesondere das DVD-RW-Laufwerk sehr sauber eingepasst und nicht so, dass man einen Finger daneben durchstecken kann 😉 Das einzige, was mir negativ auffällt, ist ein winziger Spalt zwischen Display und dem unteren Plastikrad des Displays auf einer Breite von vielleicht 2-3cm. Allerdings hatte das das Lenovo T420 auch und zwar noch viel doller (weshalb ich es auch wieder zurückgeschickt hatte).

Die Oberfläche ist matt schwarz und besteht angeblich aus einer „Magnesium-Legierung“ mit „Waben-Struktur“ im Inneren. Kann ich nix zu sagen, nur soviel: es fühlt sich wertig und angenehm an, es nimmt Fingerabdrücke nur geringfügig auf und macht einen stabilen Eindruck. Klar: wenn ich brachial genug drücke, dann kann ich überall ein Nachgeben des Chassis beobachten. Wenn man aber das sehr geringe Gewicht bedenkt, bin ich damit sehr zufrieden. Was tatsächlich stimmt: wenn man auf der rechten Handballenablage oder auf dem Touchpad mit einem oder mehreren Fingern „auftippt“, dann „klappert“ es – das liegt am DVD-Laufwerk darunter. Hört sich in der tat nicht besonders „solide“ an, ist aber aus meiner Sicht noch vertretbar. Wie gesagt: für das geringe Gewicht müssen Opfer gebracht werden.

UPDATE: ich habe eine einfache, billige Lösung gefunden, mit dem man das Klappern des Toshiba R830 beheben kann. Es wird verursacht durch zwei Bleche seitlich im DVD-Laufwerk, die vielleicht 0,1mm Spiel haben und bei Berührungen der Oberfläche eben das Klappern erzeugen. Durch ein kleines Stückchen Gewebe-Klebeband kann man das einfach beheben (Bild-Link).

Schön ist auch, dass die LEDs für HDD, Netzanschluss etc. dezent am vorderen Rand des Touchpad untergebracht sind und es über dem Keyboard nur drei Buttons gibt: Power, Eco-Modus bzw. Hibernate sowie den VGA-Output-Umschalter. Das „Gesamtlayout“ wirkt dadurch sehr aufgeräumt, was ich gut finde.

Display

Mein Notebook ist ein Arbeitsgerät, das ich nicht primär in praller Sonne, neben einem Fenster (in praller Sonne) oder im Swimmingpool betreibe. Das Display ist für meinen üblichen Einsatzorte (Arbeitszimmer, Bibliothek, Bahn, Flugzeug) mehr als ausreichend – vor allem matt. Es ist hell genug, der Kontrast ist ok und die Blickwinkelstabilität ist auch ok. Klar, wenn ich aus 10° Winkel da drauf gucke, erkenne ich nichts, wen das stört, der sollte ein Gerät mit IPS-Panel nehmen.

Ich teste meine TFTs mit dem Eizo Monitor Test auf Pixelfehler, Moiré etc. Auffallend beim R830 ist tatsächlich und sogar mit bloßem Auge die sehr regelmäßige Ausleuchtung. Dadurch gibt es bei den Grauflächen so gut wie keine Moirès. Nice. Pixelfehler hatte ich auch nicht.

Die Scharniere geben dem Display stabilen Halt. Punkt. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Beim Öffnen wippt es ganz leicht für vielleicht 2 Sek. nach und wenn ich am Gerät herumwackel, dann wackelt auch das Display. Aber im Normalbetrieb ist es fest. Auch in der Bahn übrigens 🙂 Das Display hat keinen Schiebe-Schalter zur Display-Verriegelung, sondern verzichtet auf so einen Mechanismus. Den letzten Zentimeter „schnappt“ es dann zu – nicht zu soft und nicht zu hart wie ich finde. Aufbekommen tut man es problemlos, nur eben nicht mit einer Hand, weil dann das Unterteil mitkommt. In der Mitte ist eine kleine Rille zum Reingreifen, damit klappt das Öffnen auch sehr bequem und – es sieht eben einfach schicker aus, als irgendein Plastikteil.

SSD, Kartenleser & Anschlüsse

Die SSD ist nicht die performanteste (gemessen mit AS-SSD Benchmark): rund 200 MB/s und 94 MB/s sequentielles Lesen / Schreiben ist jetzt nicht Weltrekord. Die 4k-Performance liegt mit 15 MB/s und 29 MB/s Lesen / Schreiben auch nicht auf Rekordniveau. Allerdings ist der Unterschied zwischen HDD und SSD mehr als deutlich spürbar. Bootdauer (Kaltstart > Desktop) liegt übrigens bei 26 Sekunden.

Der Cardreader ist nicht von schlechten Eltern: 42 / 28 MB/s (sequentiell Lesen / Schreiben) habe ich selbst mit meiner Class-10-Karte am PC (mit USB 3.0) nicht geschafft.

[Benchmarks für Anschlüsse folgen  – vielleicht :)]

Keyboard & Trackpad

„Shallow as Barbie“ – so stand es in einem Review. Ja, das Keyboard ist leicht gewöhnungsbedürftig. Der Tastenhub ist sehr gering (was ich nicht tragisch finde, ist halt Gewöhnungssache), der Anschlag ist recht weich und die Tasten sind etwas kleiner als im Standard-Layout…aber obwohl ich Vielschreiber bin, falle ich dabei nicht in Schockstarre. Nach den ersten 10 Min. hatten meine Finger die kleinen Tasten und den geringen Tastenhub soweit adaptiert, dass ich wieder blind mit ca. 400 Anschlägen p.M. schreiben konnte (maximal schaffe ich rund 500 auf einem guten Logitech-Keyboard mit Standard-Layout). Also ja, es ist nicht ideal, gleicht eher einem „billigen“ Consumer-Keyboard und bei einem Business-Gerät kann man drüber streiten, ob es nicht anders sein sollte, aber man gewöhnt sich dran und dann ist es ok -sofern es die nächsten drei Jahre durchhält, was ich stark hoffen möchte.

Das Trackpad hat eine angenehme Oberfläche und arbeitet präzise. Die Tasten haben wie in anderen Berichten geschildert einen harten Anschlag und sind dadurch recht „laut“, allerdings noch immer weit weg von etwas, das man als störend empfinden würde. Auch hier: wenn ich in der Oper sitze oder in der Bibliothek damit Moorhuhn spiele, würde ich das Rumgeklicke auch sein lassen, aber sonst alles im grünen Bereich.

Geräuschkulisse & Temperaturen

Das Gerät hat ja eine SSD – tolle Sache, weil lautlos, vor allem bei einem Preis unter 1.000 EUR. Hier wieder ein kleines Manko: unter Last gibt die SSD anscheinend tatsächlich leise „Zirpgeräusche“ von sich. Wobei ich nicht sicher bin, ob das von der SSD kommt oder von Transistoren auf dem Board, denn es hört sich an, wie das klassische „Spulenfiepen“ bei Grafikkarten, nur wesentlich leiser. Und es tritt nur auf, wenn die SSD unter Dampf steht (große Dateien kopieren, Image ziehen, Benchmarks). Sonst ist Ruhe.

Im Leerlauf hört man den Lüfter so gut wie gar nicht, auch wenn er permanent an ist. Wenn man mal Last draufgibt, dann wird er lauter – von dem „Fön“ aus einigen Reviews kann ich allerdings gar nichts feststellen. Ich habe den Prozessor des R830 mal mit einem großen Datensatz und SPSS ausgelastet: 1,5 Stunden lang logistische Regressionen durchrechnen mit 1 Mio. Datensätzen und 42 Variablen 🙂 Ergebnis: CPU-Temperatur bei grenzwertigen 88°C und ein deutlich hörbarer, aber immer noch nicht störender Fan. Intel gibt die Maximaltemperatur für den Prozessor mit 100°C an, danach „throtteled“ er sich hardwareseitig herunter, bis er wieder kühler ist. Ich denke zwar, dass auch 88°C sicher nicht rosig sind für die Lebensdauer des Proz, aber wenn die Hardware erst ab 100°C abregelt, dann kann es zumindest noch nicht katastrofal-kritisch sein 🙂

Wenn man das DVD-Laufwerk anschmeisst, dann gibt es ein sehr hörbares, aber sehr konstantes Rauschen (kein Brummen!) von sich, damit kann ich sehr gut leben. Im Vergleich zu anderen Geräten die ich erleben musste, ist die Geräuschkulisse sehr angenehm.

Anschlüsse

Klar, bei kompakten Abmessungen muss man irgendwo Abstriche machen. Aber Toshiba hat das m.E. gut gelöst: links vorne finden sich HDMI, USB 2.0 und ein Kombiport für USB 2.0 und eSATA. sowie in der Mitte ein VGA-Ausgang. Links hinten ist der Power-Anschluss. Rechts hinten findet sich 1xGBit-LAN und 1xUSB 3.0. Dann noch Mic in und Headphones out. Der Kartenleser wurde sehr gefällig in die rechte Handballenablage integriert. Und das DVD-RW-Laufwerk ist natürlich wie fast immer auch vorne rechts. Hinten ist aufgrund der Display-Scharnier-Konstruktion mit dem Akku kein Anschluss.

Akkulaufzeit & -Ladezeit

Bei mir hält der Akku im „Normalbetrieb“ (Office & Internet, Energiemodus „Ausbalanciert“) ca. 5:30h. Ist ein für mich völlig ausreichender Wert, allerdings weit weg von der offiziellen Herstellerangabe. Ist halt wie bei den Autos mit dem Normverbrauch. Erwähnenswert ist allerdings die sehr lange Ladezeit. Nach 2h Aufladen bei ausgeschaltetem Gerät sind rund 50% geladen, was einer Laufzeit von rund 2h entspricht. Finde ich etwas lahm, aber nicht so schlimm.

Software & „Beigaben“

Leider bekommt man ja immer mehr, als man will. Von den nahtlosen Integration von Treiber-Updates und BIOSen ist Toshiba im Gegensatz zu Lenovo leider weit entfernt. Dafür ist das Gerät geradezu vollgemüllt mit Software von Drittanbietern. Kann man alles problemlos deinstallieren. Ich war früher auch mal so jemand, der Windows 95 notfalls wöchentlich neu installierte, wenn er das Gefühl hatte, dass „die Registry vollgemüllt ist“ oder ähnliches. Mach ich nicht mehr. Meine Lebenszeit ist zu schade. Und trotzdem laufen meine Geräte 🙂

Was besonders geil ist: wenn man über den „Toshiba Recovery Media Creator“ ein Abbild der Recovery-Daten von der Platte auf DVD brennen will, dann benötigt das nicht eine, nicht zwei, sondern FÜNF (!) DVDs. Und es dauert eine Stunde. DAS könnte man echt besser lösen, ganz sicher 🙂

Bilder & Screenshots

FAZIT

Mein bisheriges Fazit ist:

es gibt ein paar (vertretbare) Schwächen, die das Gerät für die Kategorien „Hammer“ oder „Sehr Gut“ leider disqualifizieren:

  • beim Keyboard, das kleiner Tasten hat und etwas „billig“ wirkt (aber gut funktioniert)
  • bei der Verarbeitung des Gehäuses (etwas „flexibel“, minimaler Spalt zwischen Display und Rahmen an einer Stelle und leicht „klapperige“ rechte Handballenauflage)
  • beim Display (geringer Kontrast, mäßige Helligkeit, aber gute Ausleuchtung und matt)
  • bei der SSD (die „zirpt“ unter Last hörbar, aber nicht störend)
  • beim Akku stört die lange Ladezeit ein wenig, für mich aber nicht weiter tragisch

Wer damit leben kann, der bekommt ein sehr gut ausgestattetes, sehr schickes, sehr leichtes und leistungsfähiges Gerät für den mobilen Einsatz. Meiner Meinung nach kann es das R830 insbesondere bei Preis / Leistung locker mit den Platzhirschen Lenovo T420s, Dell Latitude E6420/6320 und den HPs Envy / Elitebook aufnehmen.

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