Reallife Anekdote (um 1990)
Auf SPIEGEL Online habe ich eben einen Artikel gelesen. Es geht um einen Schuldirektor in den USA, der nach einem verlorenen Volleyballspiel gegen Schüler seine Wettschuld einlöste und ihnen die Füße küsste. Dafür wurde er gefeuert.
Man kann sich ja nur wundern. Denn der Grund für die Kündigung soll “sexuelle Belästigung” sein. Irgendwie typsch US-Prüderie denkt man sich. Aber gar nicht so bizarr wie es auf den ersten Blick scheint, denn auch in Good Old Germany sind ähnliche Dinge möglich.
Retrospektive: Klein Roland vor ca. 15, 16 Jahren, 7. oder 8. Klasse Gymnasium damals. Physik in der ersten Stunde, nicht in dem tollen Labor (unseres war wirklich gut ausgestattet und dementsprechend interessant war es da), sondern im Klassenzimmer. Ich weiss nicht mehr, ob ich einfach mal wieder zu spät losgefahren war von zu Hause (mit dem Fahrrad waren es nur 5 Minuten zur Schule) oder ob ich vorher “am Büdchen” noch schnell was Süßes gekauft hatte…jedenfalls war ich zu spät dran. 10 Minuten vielleicht.
Dr. Physik (Name geändert, Anm.) guckt mich an und stellt mich vor die Wahl der disziplinarischen Maßnahme: 10 Liegstützen oder eine Mark in die Klassenkasse. Geiler Deal. Als Leichtathlet nehme ich die 10 Liegstützen, unter lautem (falsch)gezähle der Klasse versteht sich.
Einige Tage später, die Sache ist längst vergessen. Telefon für mich, Dr. Physik sagt meine Mutter. Ich nehme an. Ein aufgeregter Dr. Physik entschuldigt sich vielmals für die körperliche Züchtigung, dass hätte er nicht tun dürfen. Stille. Ob ich ihm das nachsehen könne?! Klar, ich meine, war ja ein fairer Deal. Der Mann ist sichtlich erleichtert.
Später stellt sich raus: Mitschüler hatten zuhause von der Aktion erzählt, ganz eifrige Humanisteneltern quatschten im Kaffeekranzzirkel rum und schalteten den Direktor ein. Große Aufregung, körperliche Züchtigung eines Schülers, trallala.
Dr. Physik war sehr dankbar, glaube ich. Anders kann ich mir meine ständigen Zweien in Physik bis zur 10 nicht erklären


