2006 03. Mai

Popetown, erste Folge

Ich hätte mehr erwartet. Und Schlimmeres. Da echauffiert sich die religiös organisierte Elite Über eine Serie und was ist deren dringlichstes Problem? Dass ein Kreuz zum „Springstock“ instrumentalisiert wird, auf dem ein infantil regressierter Papst herumhüpft?

Allgemein dazu: die Serie hat offensichtlich einige witzige Ansatzpunkte. Dazu gehören z.B. der geheime Hostienkeller in den Katakomben unter dem Petersdom, das etwas zu extrovertierte Papst-Double und ja, auch das Extreme-Merchandising für die „Jungen Erwachsenen mit erheblichen Geh-Einschränkungen“ 🙂 Gerade hier muss man feststellen, dass diese jugendlichen Behinderten gerade NICHT diffarmiert werden, im Gegenteil, sie lassen sich trotz der Anfeindungen einer geltungsgeilen Reporter-Nonne ihre Lebensfreude nicht nehmen.

Was die Serie auch hat: Längen und Tiefen. Dazu gehören leider insbesondere die Charakteristika des Papstes. Warum muss es ein infantiler Papst sein? Wozu fliegt dieses Spielzeug da herum? An dieser Stelle wäre eine ähnlich kritische Auseinandersetzung mit der Funktion „Papst“ wie mit Merchandising, Sklaven-Hostienmanufaktur und machtbesessenen Kardinälen wesentlich angebrachter gewesen. Ein intriganter „Isnogud“-Papst hätte der Serie wesentlich besser zu Gesicht gestanden.

Insgesamt: niemals darf diese Serie verboten werden. Wird sie auch nicht. Unsere eigenen religiösen Fanatiker sollten uns zunächst mehr zu denken geben als diejenigen anderer Regionen. Wer ein Verbot für solche Inhalte fordert, zeigt seine Nichtintegrierbarkeit in unser Normengefüge. Wissens- und Wertetest nicht bestanden, und tschüss. Das nur am Rande und daneben, dass jedes Gericht diese Laienmeinung bestätigen wird.

Trotzdem, die Serie ist nicht der Brüller, dafür ist einiges eben doch nicht so witzig, wie es durchaus sein könnte. Der Markt wird also selbst dafür sorgen, dass diese „Blasphemie“ nicht allzu sehr auf unsere Jugend einwirken kann.

Amen.

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