2007 02. Aug

PC vs. Konsole: wohin geht die Reise?

Eine Frage, die man als interessierter Konsument mit Freunden früher lange gewälzt hat, die aber immer noch aktuell ist. Dass der Konsolenmarkt attrakttiv ist, das haben die Hersteller gemerkt. Der Beweis: Microsoft stieg in den Markt ein, Sony mit der Playstation lief seinerzeit Nintendo den Rang ab. Neuerdings stellt sich also eher die Frage nach Marktanteilen, weniger diejenige nach der grundsätzlichen Attraktivität des Marktes.

Eine Meldung stach mir dieser Tage bei heise online ins Auge: „NVIDIA glaubt an eine Zukunft für PC-Spiele„.

Jetzt könnte man sagen: okay, das Blatt hat sich gewendet. Der PC muss um seine Zukunft bangen. Naja, das haben die Konsolenverfechter aber schon vor 10 Jahren gesagt. Da mich solche Strategiethemen in dem Markt interessieren, mache ich an dieser Stelle eine Wettrubrik auf. Also:

Ich wette, dass es keine Dominanz der Konsole geben wird, sondern ähnlich wie bei der vielzitierten „Medienkonvergenz“ eine „Hard- und Softwarekonvergenz“ von PC und Konsole.

Warum? Ganz einfach…

a) Seit 10 Jahren sind die Argumente der Konsolenverfechter für das nahe Ende des PCs dieselben:

  1. Was aufs Spielen spezialisiert ist (Konsole), muss besser sein als etwas weniger Spezialisiertes (PC). Das soll für Hardware (Grafik etc.) genauso gelten wie für die Qualität der Software (Gameplay etc.).
  2. Geringere Anschaffungs- und Unterhaltskosten.
  3. Kein „Bedienungs- und Funktions-Overhead“. Meint: Ich muss mich bei Konsolen nicht um nervige Installationen, Bluescreens etc. kümmern. „Plug & Play“ ist angesagt.
  4. Konsolen sind günstiger als PCs und verbreiten sich damit als Plattform schneller, was sie zu attraktiveren Plattformen für Spiele-Publisher macht.
  5. Wohnzimmer-Faktor: Konsolen sind kleiner, schicker, leiser und bieten zusätzliche Medienfunktionen.

b) Die aktuelle Entwicklung geht sogar schon in Richtung einer Konvergenz von Konsolen- und PC-Hardware (und auch Software).

Argumente gegen den Tod des PC (<> Dominanz des PC und <> Tod der Konsole)

Hardware-Flexibilität. PCs können selektiv spezialisiert und im Funktionsumfang erweitert werden, indem sie mit besonderer Hardware / Peripherie ausgestattet werden oder nicht. Damit steht und fällt gleichzeitig das Kostenargument (kommt noch).

Hardware. Ich stelle fest: gemessen an physikalischer Leistung (Framerate bei gegebener Auflösung etc.) ist ein entsprechend ausgestatteter PC immer in der Lage, jede Konsole zu schlagen. Beispiel: Ein PC mit einem Intel Core 2 Duo E6850 und 2xNIVIDIA GeForce 8800 Ultra gegen…wen auch immer, z.B. die Playstation 3. Nicht zu vergessen, dass Konsolenspiele extra angepasst werden und eigentlich immer schlechtere Texturen aufweisen als die PC-Version, weil eben die Hardware sehr limitiert ist.

Konsolen bestehen zu einem Großteil mittlerweile aus baugleicher oder leicht modifizierter PC-Hardware (PS3, XBox 360). Die aktuelle XBox 360 kämpft massiv mit Ausfällen wegen eines typischen PC-Problems: Abwärme (1). Sie reagiert darauf auch genauso, wie ein PC: Absturz. Nur die Kunden reagieren anders: während PC-Enthusiasten sich über die besten Kühlmöglichkeiten ihrer Hardware unterhalten (und diese umsetzen können), sind Konsolenbesitzern die Hände gebunden. Erstens können Sie daran nichts ändern (der bauplan von Konsolen ist nicht auf Modifikation ausgelegt), zweitens fehlt in vielen Fällen auch einfach das Wissen. Mit etwas bösem Willen könnte man es hier „ungewollten Bedienungs-Overhead“ nennen, denn während ich mir beim PC der Möglichkeit solcher Probleme bewusst bin, rechne ich bei einer Konsole eigentlich nicht damit 😀

Kosten. Wenn man sich eine Konsole allein kauft und keinen PC hat, dann stimmt das Argument. Wenn man aber davon ausgeht, dass ein Konsolenkäufer AUCH einen PC hat, dann könnte er die 600 EUR (PS3) genauso gut in bessere PC-Hardware investieren. Zu jedem Zeitpunkt bekommt er damit eine „midrange“ Grafikkarte (8800 GTS 320) plus entsprechendem Prozessor (E6650) plus etwas Arbeitsspeicher (ca. 2GB im Moment). Da PC-Spiele zudem meist 10-15 EUR günstiger sind als Konsolenspiele, spart man hier auch nochmal. Die Hersteller versuchen sich bisher mit der Titel-Exklusivität zu retten, was aber nicht so richtig toll funktionieren will, denn: welcher Publisher gibt freiweillig für einen einmal entwickelten Titel, der sich recht einfach portieren lässt (siehe „ähnliche Hard- und Software“) den gesamten Markt „PC-Spieler“ her?!

Steuerung. Beim PC in jedem Fall flexibler, da Maus und Tastatur mit über 100 Tasten + entsprechenden Kombinationen möglich sind. Z.B. der Grund dafür, dass Strategiespiele auf der Konsole immer ätzend zu steuern sind. Move-your-Ass-Experimental-Controller mit Kamera und Umschnalldildo könnte ich als Hersteller zudem genauso gut für den PC bauen, aber so versuchen sie im Moment noch, den USP (Unique Selling Proposition = einzigartiges Kaufargument = etwas, was kein anderer überhaupt bieten kann oder was bei meinem Produkt besser ist, als bei allen anderen) „Gameplay-Erlebnis“ aufrecht zu erhalten. (Wann kommt eigentlich ein Wii-Controller für den PC?!)

Software. Mittlerweile sehen sich Konsolenhersteller gezwungen, innovative Software wie „Internet-Browser“ oder „Instant Messenger“ in ihre Konsolen zu integrieren. Eigentlich typische PC-Funktionen, die wiederum das Argument 2 der Konsoleros aushöhlen. Zudem verwenden Konsolen teilweise schon PC-Software als Betriebssysteme (PS3: Linux-Derivat) und handeln sich damit ähnliche Probleme wie PCs ein (Virenbefall, Abstürze)

Peripherie. Für Konsolen gibt es immer mehr Eingabegeräte, die dieselben sind, wie es sie seit Jahren für den PC gibt. Nur dass die Konsolenfraktion sich für diese „Innovationen“ ohne Ende feiert. Hardware-Spezialisierung kann man das also bestimmt nicht nennen.

Wohnzimmer-Faktor. Geht im Moment noch nicht. Mit Tastatur und Maus auf dem Sofa ist eben doch ziemlich uncool. Aber je kleiner und leistungsfähiger die PCs werden (und das werden sie) und je mehr alternative Controller es dafür geben wird (fängt schon an), desto näher rücken auch hier die Welten zusammen.

Und wie geht’s weiter?

Wir halten also fest: Konsolen haben mittlerweile oft dieselben Probleme wie PCs, nur dass sie den Funktionsumfang betreffend deutlich schlechter dastehen, teurere, aber nicht unbedingt „bessere“ Spiele zu bieten haben und ungefähr so viel Kosten wie ein entsprechendes PC-Hardware-Upgrade verursachen. Zudem nähern sich Konsolen sowohl in der Hardware-Ausstattung als auch in der Software (Programme, Internet-Zugang etc.) einander an.

Die ersten Cross-Plattform-Lösungen bahnen sich ebenfalls schon an (PC-Spieler können online gegen Konsolenspieler antreten), also sollte die Marschroute klar sein.

Einen kleinen Schönheitsfehler hat diese Entwicklung aber. Die Hersteller untergraben ihre USPs, also die einzigartigen Gründe, eine Konsole bzw. einen PC zu kaufen und eben NICHT das jeweils andere Gerät. Und ohne USP fällt es gerade Verbrauchern schwer, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden. Offensichtlich sind Konsolen nicht in der Lage, ihre früheren USPs zu halten und in der Folge müsste eigentlich die Werbung viel mehr über die emotionale Schiene kommen und weniger rational, wie das bisher immer der Fall ist(einzige Möglichkeit bei Produkten ohne USPs: emotionale Besetzung einer Nische, z.B. „Becks-Werbung“). Aber das führt zu weit ins Thema des in Europa GROTTENSCHLECHTEN Marketings für Unterhaltungselektronik, da wette ich wann anders nochmal viel fiesere Dinge, aber da ist eine andere Geschichte 🙂

Update vom 9.12.2012

Wette gewonnen, wie es scheint:

Dabei geht Gabe Newell davon aus, dass Hersteller im kommenden Jahr Computer veröffentlichen werden, die direkt für das Wohnzimmer ausgelegt sind. Diese sollen ähnlich laufen wie eine Konsole: An den Fernseher anschließen, den Power-Knopf betätigen und spielen.

Quelle: computerbase.de, Hervorhebungen MA.

Update vom 21.10.2008

Update vom 14.01.2014

  • Goodbye, consoles – Punkt für mich, oder? 😉 Und die Steam Machines sowieso…

 

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