2012 10. Mrz

Gender mainstream THIS!

Im Moment wird das wichtigste Thema des Planeten –Gender Mainstreaming– glücklicher Weise wieder intensiviert angegangen. Aber das ist nicht genug, denn wir müssen das Übel an der Wurzel packen und dürfen nicht zulassen, dass kulturhistorische Artefakte uns und die kommenden Generationen mit gefährlichem Gedankengut kompromittieren!

Bekanntlich zeichnen sich in allen Bereichen der Kultur die sog. „Klassiker“ dadurch aus, dass in der Vorstellung des Bildungsbürgertums ihren Ansichten, Konzepten und Botschaften eine die Zeiten überdauernde Wahrheit zugeschrieben wird. Wahrheit, hah! Diese Werke werden nämlich unter der Prämisse einer inhärenten Wahrheit auch in Deutschland massenweise konsumiert und prägen so -teilweise schon in der Kindheit!- unsere Einstellungen und Werte. Aber was geben uns die Klassiker zu den Frauen mit auf den Weg? Kann und darf man diese Werke überhaupt öffentlich verbreiten? Enthalten sie möglicherweise gefährlich ungendergemainstreamte Botschaften, die männliche Gehirne sublimal beeinflussen und damit das Gender Mainstreaming auf subtile Weise boykottieren?

Okay, Oscar Wilde („Die einzige Art, sich einer Frau gegenüber zu verhalten, ist, sie zu lieben, wenn sie hübsch ist, und eine Andere, wenn sie es nicht ist.“) und Friedrich Nietzsche („Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“) lassen wir jetzt mal weg (da ist sowieso Hopfen und Malz verloren) und wenden uns der Musik zu.

Wolfgang Amadeus Mozart hatte bekanntlich eine große Vorliebe für Frauen und ziemliche Probleme mit seinem Vater. Ein Psychologe würde jetzt wahrscheinlich feststellen, dass dieser Konflikt eine signifikante Prädisposition für eine ans Neurotische grenzende Frauenverehrung sei. Folglich hätte der gute Wolfgang ja durchaus in seinem musikalischen Werk als Verfechter des schönen Geschlechts rüberkommen können. Stattdessen findet man dann so etwas brutal cheauvinistisches wie das hier in der Zauberflöte:

Bewahret euch vor Weibertücken:
Dies ist des Bundes erste Pflicht!
Manch weiser Mann liess sich berücken,
Er fehlte und versah sich’s nicht.
Verlassen sah er sich am Ende,
Vergolten seine Treu mit Hohn!
Vergebens rang er seine Hände,
Tod und Verzweiflung war sein Lohn.

Unerhört! Nachdem man im ersten Akt eine gender-korrekte „Königin der Nacht“ installiert hatte, nun das! Katastrofe! Eigentlich müsste man den zweiten Akt komplett streichen. Und ein paar Takte später setzt Herr Mozart noch einen drauf:

Geschwätz von Weibern nachgesagt,
von Heuchlern aber ausgedacht.
[Doch sagt es auch die Königin!]
Sie ist ein Weib, hat Weibersinn!
Sei still, mein Wort sein dir genug!
Gedenk‘ deiner Pflicht und handle klug!

Von Don Giovanni dem alten Schwerenöter will ich jetzt gar nicht anfangen. Die Oper ist ja überhaupt eines der schlimmsten Machwerke, die tutti completti verboten werden müssten, alldieweil Don Giovanni (und damit Mozart!) eindeutig als Schöpfer der Fuck List identifiziert werden kann! Der Beweis:

Madamina, il catalogo è questo
Gnädige Frau, dies ist die Liste
Delle belle che amò il padron mio;
der Schönen die mein Herr gevögelt hat;
un catalogo egli è che ho fatt’io;
Eine Liste, die ich zusammengestellt habe;
Osservate, leggete con me.
Prüft es, lest mit mir!

In Italia seicento e quaranta;
In Italien: sechshundertvierzig [Frauen];
In Alemagna duecento e trentuna;
In Deutschland: zweihundereinunddreißig;
Cento in Francia, in Turchia novantuna;
Einhundert in Frankreich, einundneunzig in der Türkei;
Ma in Ispagna son già mille e tre.
Aber in Spanien sind es schon eintausendunddrei.

Das ist gelinde gesagt ein Skandal. Dieses cheavinistische Gepose beim Durchgehen der Liste, achtet auf seine Mimik! Hier werden Kohorten von Heranwachsenden mit überkommenen Rollenbildern indoktriniert und das noch mit eingängiger Musik und attraktiven Bühnenbildern, das ganze auch noch frei im Internet zugänglich! Die ganze Oper gehört verboten, mindestens. Vielleicht sollte man sie aus dem Köchelverzeichnis einfach ganz streichen, um ihren Botschaften keinen Vorschub zu leisten. Oder das Internet sperren!

Aber das muss ja jetzt alles nicht repräsentativ sein. Denn wie es dort auch so schön heißt: „Ein Weiser prüft und achtet nicht, was der gemeine Pöbel spricht.“ Also prüfen wir weiter. Fanz Schubert hat als Musiker Gedichte insbesondere von Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Geothe in fantastische Kunstlieder verwandelt. Da trifft sich, was zusammengehört. Auch Schubert ein Mann mit dem Hang zu Frauen. Und auch in diesen Werken finden sich unerhört leicht erkennbare, frauenverachtende Passagen:

Was schert mich Weib, was schert mich Kind!
Ich trage weit besser Verlangen.
Lass sie betteln geh’n, wenn sie hungrig sind,
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Und das mitten in der Romantik. Versuchen wir es doch mit einem, der eher am Übergang zur Moderne seine Schaffensperiode hatte, Richard Wagner. Neben der Tatsache, dass er wohl ein fürchterlicher Antisemit war (was mir beim Hören der Musik jedes Mal ein schlechtes Gewissen ob meiner Vorliebe dafür bereitet), dürfte er sich auch bei Alice Schwarzer, Elfriede Jelinek und Viviane Reding keine Freundinnen gemacht haben. Denn: fast sein gesamtes Opernwerk behandelt in unerhörter Weise den Untergang von Männern, vorsätzlich herbeigeführt oder wenigstens fahrlässig verursacht durch…Frauen. Man stelle sich das vor: Der Ring des Nibelungen, Tristan und Isolde, Lohengrin, der fliegende Holländer… überall sind Frauen schuld, dass die (guten) Männer konsequent ins Verderben stürzen.

Überhaupt ist der Lohengrin das Ober-Cheauvi-Stück. Kurzfassung: „Macho in goldener Rüstung und „von Gott gesandt“ (!) rettet die schwache Frau vor den Intrigen einer Nebenbuhlerin (die dafür aber ihren Mann instrumentalisiert) unter nur einer einzigen Bedingung, welche die Frau trotz ihres vorherigen Versprechens -natürlich- nicht erfüllen kann. Enttäuscht verzieht er sich wieder und lässt die sterbende Elsa zurück.“ Männer sind auch in dieser Oper nur die Spielzeuge eines Plots, der von Frauen determiniert ist.

Zur Beweisführung eine der schlimmsten Arien aus dem ganzen Machwerk:

Du fürchterliches Weib,
was bannt mich noch in deine Nähe?
Warum laß ich dich nicht allein
und fliehe fort, dahin, dahin,
wo mein Gewissen Ruhe wieder fänd‘!
Durch dich mußt‘ ich verlieren
mein‘ Ehr, all meinen Ruhm;
nie soll mich Lob mehr zieren,
Schmach ist mein Heldentum!
Die Acht ist mir gesprochen,
zertrümmert liegt mein Schwert,
mein Wappen ward zerbrochen,
verflucht mein Vaterherd!
Wohin ich nun mich wende,
geflohn, gefemt bin ich;
daß ihn mein Blick nicht schände,
flieht selbst der Räuber mich!
Durch dich mußt‘ ich verlieren usw.
O hätt‘ ich Tod erkoren, da ich so elend bin!
Mein Ehr‘ hab‘ ich verloren,
mein Ehr‘, mein Ehr‘ ist hin!

Das Bühnenbild: eine Zumutung! Die Frau: unemanzipiert! Gewalt gegen Frauen! Das alles in EINEM Machwerk!

Meine Damen und Herren, wir stehen vor einem kulturellen Problem. Denn diese Liste ließe sich noch ziemlich lange fortsetzen. Wie gehen wir damit um, wie stellen wir sicher, dass so etwas keine weitere Verbreitung erfährt. Ich muss handeln! Ich werde Viviane Reding anschreiben und dafür eintreten, in Brüssel die Installation einer supranationalen Behörde zur Kontrolle und Filterung kulturhistorisch bedenklicher Inhalte konsequent voranzutreiben.

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