2006 30. Jul

Fluch der Karibik-Boykott

Es ist schon eine Frechheit, was einem als Filmkonsumenten heutzutage vorgesetzt wird. Da ist zunächst der Film an sich, eine Aneinanderreihung sinnfreier Action- und Stuntsequenzen. Aber der Reihe nach.

Will Turner (Orlando Bloom) und Elisabeth Swann (Keira Knightley) werden vom Vertreter der West India Trading Company gefangen gesetzt, da sie der Kollaboration mit Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) in Teil 1 bezichtigt werden. Als einzige Rettung vor dem Galgen gibt Beckett Turner die Möglichkeit, einen gewissen Schlüssel zu suchen und ihm zu bringen, um seinen eigenen und Elisabeth‘ Hals vor dem Galgen zu retten. Müßig zu erwähnen, dass der Schlüssel Zugang zu einem Superpower-Artefakt gewährt: er passt auf eine Truhe, in der der verfluchte Piratenkapitän Davy Jones -eine Art fliegender-Holländer-Verschnitt- sein gebrochenes Herz aufbewahrt und mit dessen Hilfe man ihn, sein Schiff, seine Crew und seine Superwaffe kontrollieren könnte – den Kraken. Für eine Institution wie die West India Trading Company eine tolle Sache, könnte man so die Weltmeere beherrschen.

Mehr oder minder ohne weitere Erläuterungen oder Ergänzungen beginnt nun eine Effekt- und Stuntschlacht sondergleichen. Die humoristischen Einlagen sind nach wie vor witzig, aber selten gestreut. Captain Jack Sparrow bleibt mit seiner tuntigen Art der Höhepunkt des Films. Jedenfalls passiert letztendlich während der gesamten 150 Minunten nicht mehr, als dass Schlüssel und Truhe gefunden und deren Inhalt durch allerlei Verstrickungen beim korrupten Beckett landen. Auf die fehlenden narrativen Elemente, die der Konsistenz des Handlungsstranges teils arg zusetzen und die teils lächerlichen Prozeduren zur Aktivierung z.B. des Monster-Kraken, sei an dieser Stelle nicht weiter eingegangen – man darf sich bei dieser Art von Kinofilm über so etwas einfach nicht (mehr) aufregen.

Was allerdings eine Frechheit darstellt, ist das Ende des Films, ein Cliffhanger sondergleichen. Wir reden hier über keinen gewöhnlichen Cliffhanger: eigentlich sind die Teile 2 und 3 ein einziger Film – getrennt an einer Stelle der Erzählung, die eine beginnende Klimax darstellt, den Beginn eines finalen Versuches aller Beteiligten, den verloren geglaubten Jack Sparrow zu retten. Müßig zu erwähnen, dass eine Klimax im Vorfeld ausblieb und auch Davy Jones -obwohl nicht getötet / besiegt / verbannt etc. pp.- einfach von der Bildfläche verschwand, nachdem seine Truhe fott war. Und genau hier entlässt der Film den Zuschauer in die Nacht. Eine Frecheheit, immerhin hat man Geld für einen Film gezahlt, der mit Verlaub einfach unfertig daherkommt und dem Zuschauer den Besuch des dritten Teils abpressen will.

Fazit
Hirn- und seelenloses Actionspekatakel mit jeder Menge SpecialFX. Auf der anderen Seite durch fehlende Spannungskurve so langweilig, dass man sich nach spätestens 90 Minuten mental stärker mit den aufkommenden Rückenschmerzen befasst, als mit dem Film.

Aber nicht mit mir, Fründe. Nachdem ich Teil 1 auf DVD erworben hatte, bleibt Teil 2 auf jeden Fall mal im Regal (des Händlers) und Teil 3 wird der Vollstädigkeit halber für exakt einen Tag aus der Videothek entliehen – wenn überhaupt.

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