Die zwei Banker
Frei nach Heinrich Heine
Das kommt dabei raus, wenn man zu viel Zeitung liest, gleichzeitig Musik hört und Rotwein trinkt. Es wäre übrigens theoretisch nur in der Vertonung von Robert Schumann richtig gut…
In Wall Street, da waren zwei Banker voll Gier,
Die wurden bei Lehman gegangen.
Und als sie saßen beim den letzten Bier,
Sie ließen die Köpfe hangen.
Da hörten sie alle die traurige Mär:
Dass viel Geld verloren gegangen,
Besiegt und geschlagen der Marktjünger Heer,
und die Welt blickt gespannt voller Bangen.
Da weinten zusammen die Banker hier
Wohl ob der kläglichen Kunde.
Der eine sprach: »Wie weh wird mir,
Kritik schäumt aus aller Munde!«
Der andre sprach: »Das Lied ist aus,
viel Banken werden sterben,
Die haben nichtmal Wert im Haus
den Eignern zu vererben.«
»Was schert mich Wert, was schert mich Geld,
Ich habe die bess’ren Visionen;
Lass den Staat bezahl’n, mache ihn zum Held,
das Volk zahlt, das wird sich schon lohnen!
Zur Rettung, Bruder, eine Bitt‘:
Ich tu, als ob ich sterbe,
So nimm meinen Körper zur Wall Street mit,
und leg mich in Wall Streets Erde.
Den Jahresbonus und nen Scheck,
sollst du aufs Herz mir legen;
das Notebook, nimm es mir nicht weg,
und gib mir Buffets Segen!
So will ich liegen und horchen still,
nur scheintot in meinem Grabe,
bis einst ich höre der Bullen Gebrüll
Und sehe das alte Gehabe:
Dann stürmen die Broker wohl über mein Grab,
Viel Buchgeld wird aus Nichts erschaffen,
dann schreib ich die Orders direkt aus dem Sarg,
und kämpf mit den alten Waffen!«


