2011 06. Feb

Deutsches Handwerk: Qualitätsarbeit „Made in Germany“

Made in Germany“ war ursprünglich von den Briten als Marken-Stigmata gedacht, um britische Konsumenten davon abzuhalten, deutsche Erzeugnisse zu kaufen. Was statt dessen passierte, weiß eigentlich jeder: deutsche Produkte verkauften sich wie geschnitten Brot, weltweit. Warum? Weil man Ihnen bis heute eine besondere Qualität nachsagt, genau wie deutschen Arbeitskräften und insbesondere deutschen Handwerkern. Die Legende vom deutschen Fliesenleger, der es in den USA zum Millionär bringt, kennt glaube ich jeder.

Ich persönlich kann mir allerdings nicht (mehr) erklären, woher diese Mutmaßung der deutschen Handwerks-Qualitätsarbeit kommt. Durch die Bank falle ich mit denen auf die Nase, weil sie einfach schlecht, schlecht, schlecht arbeiten. Dafür nehmen sie dann Mondpreise, 60-70 EUR die Stunde kommen da sehr schnell zusammen.

Neuester Fall: Malerarbeiten. In Unserer Wohnung mussten zwei Zimmer und der Flur neu tapeziert und gestrichen werden. Ohne weitere Worte präsentiere ich das Ergebnis:

Da findet man wirklich das volle Programm: schlampig geklebte Tapeten, übermalte Fliesen und Fußleisten, beschädigte Türen, verschmutzte Tapeten,  verdreckte Gastherme (wo ich mich frage, ob das nicht sogar gefährlich sein kann?) – ganz davon zu schweigen, dass unsere Schränke, bei denen wir um Abkleben mit Folie gebeten hatten, von innen aussahen wie eine Teergrube.

Und jetzt das volle Programm: Mängelrüge, Nachbesserung, Minderung. Buahh. Ätzend. Das bedeutet: neue Arbeiten, nochmal Dreck, nochmal ins Hotel (?), Zeit, Nerven, Stress, Terror.

Ich hätte nicht übel Lust, den Namen dieses Saftladens direkt mit zu veröffentlichen. In jedem Fall aber hoffe ich, dass Heerscharen legaler osteuropäischer Arbeitskräfte wie Heuschrecken hier einfallen mögen, um entweder die alte Qualität der deutschen Handwerker wieder herzustellen oder aber deren Preis auf ein angemessenes Niveau zu senken. Beides zusammen in der aktuellen Kombination ist eigentlich nur noch Wucher zu nennen, wenn man bedenkt, was so jemand pro Stunde abrechnet.

Um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin gerne bereit den Preis für Qualität zu zahlen und ein leidenschaftlicher Gegner von Zeitarbeit, Dumpinglöhnen und Ausbeutung. Aber dann muss eben die Qualität auch stimmen und das erlebe ich leider so gut wie gar nicht mehr.

Update: 20. Mai 2011

Ich muss nicht erwähnen, dass der Schornsteinfeger bei der jährlichen Routineprüfung sagte, dass die Menge des Drecks IN der Therme durchaus ein Sicherheitsrisiko gewesen wäre. Was der da rausgepustet hat, war schon krass. Der Handwerker meinte damals auf meine Anmerkung hin übrigens, das sei (von mir) schlicht gelogen, die Therme sei schließlich „vollständig abgeklebt“ gewesen. Aha.

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