2005 11. Dez

Deutsche Bahn: Licht und Wärme im 21. Jahrhundert

Die Bahn ist eine tolle Muse. Ständig gibt es was zu berichten…

Heute war es mal ein besonders beeindruckendes Dokument betriebspraktischer Fehllenkung. Strecke Bonn-Nürnberg, 16.14 ab Bonn. Immerhin ist der Zug pünktlich. Ich stehe exakt da, wo nach Angabe des Wagenstandsanzeigers der Wagen mit der Nummer 268 sein sollte. Allerdings kommt dort die 267 zum stehen. Ist ja kein Problem, ich gehe aussen einen Waggon weiter und steige ein. Nach kurzem Dialog mit der auf meinem Platz sitzenden Dame bekomme ich sogar den in dem recht vollen Zug.

Der Zug ist noch nicht losgefahren, da kommt schon der Schaffner. „Entschuldigung, aber sie sind im falschen Wagen!“ Oops, das ist mir peinlich. Ich frage, ob ich von 267 in die falsche Richutng gelaufen sei. Nachdem sich alle umsitzenden Fahrgäste mit dem „der Trottel“-Blick von mir abgewendet haben, sagt der Schaffner leise zu mir: „Waggon 268 ist heute nicht dabei! Hier, gehen sie mal in die 274. Erste Klasse *zwinker*! Naja, wenigstens was. Also kämpfe ich mich durch den recht vollen Zug bis in die erste Klasse – und komme in einen Wagen der ersten Klasse von 1970.

Das sind die, wo auf den Toiletten noch richtige Hebel am Boden sind, die man für Wasser bzw. Klospülung betätigen muss. Ich meine mit „Hebel“ ein 100%ig mechanisches Konstrukt mit einem Hub von mehr als 30cm! Aber es geht weiter, denn im Abteil kann man den nicht festgeklebten Teppich mit den Füßen verschieben. Und es wird kalt mit der Zeit. Aufklärung bring ein neuer freundlicher Schaffner: „Wie lange sitzen Sie denn noch hier?….Ahhh. Hm. Gut, dann würde ich sie bitten, zwei Wagen weiter vorne Platz zu nehmen, wenn es hier zu kalt wird. Die Heizung ist leider ausgefallen!“ Er geht, dreht auf dem Absatz, zieht die Abteiltür wieder auf und fügt hinzu: „Und bitte gehen Sie zwei Waggons weiter – im nächsten wird gleich das Licht ausfallen!“ Eine Mitinsassin des Abteils und ich lachen laut los. Der Schaffner ist not amused. Was solls. Da im „zweiten Waggon von hier“ kein Platz mehr ist, verbringe ich die letzten 25 Minuten zwar in Wärme, aber Dunkelheit.

Immerhin fährt der IC eine Verspärung von nur 9 Minuten ein, was mich meinen Anschluss in Nürnberg noch erwischen lässt. Bin gespannt, was das nächste Mal ausfällt…

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